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FLOATING

FLOATING nach Gopal Norbert Klein: ein traumasensibel begleiteter Gruppenprozess (max. 14 Personen), in dem dein Nervensystem neu erfährt, dass Nähe sicher ist. Was FLOATING ist – und wie es sich von Familienstellen unterscheidet.

FLOATING ist eine von Gopal Norbert Klein entwickelte, traumasensibel begleitete Gruppenarbeit, in der nicht Lebensgeschichten erzählt, sondern Körperempfindungen, Gefühle und Gedanken im gegenwärtigen Moment mit einem realen Gegenüber ehrlich ausgetauscht werden. Ziel ist, alte Bindungsmuster aus Bindungs- und Entwicklungstrauma in einem sicheren Rahmen neu zu erleben und zu aktualisieren, sodass echte Verbundenheit wieder möglich wird.

Wir Menschen sind soziale Wesen. Unser Nervensystem ist von Geburt an darauf ausgelegt, sich im Kontakt mit anderen sicher und verbunden zu fühlen – Stephen Porges nennt diesen Zustand in seiner Polyvagaltheorie das ventrale System, den Modus von Ruhe, Offenheit und echter Begegnung.

Doch oft stellen sich uns dabei unbewusste Beziehungs- und Bindungskonzepte in den Weg, die sich bereits in der Kindheit gebildet haben. Damals war Nähe vielleicht nicht durchgehend sicher – und wir haben gelernt, uns vor Verletzung zu schützen, indem wir in Kontakt mit Wachsamkeit, Anspannung oder Rückzug reagieren. Das Tückische daran: Weil diese Konzepte uns einst geschützt haben, erkennen wir nicht, dass sie uns heute nicht mehr schützen, sondern am Kontakt hindern. Der Kopf versucht weiter, uns vor Beziehung zu „bewahren” – und genau dadurch erleben wir uns von uns selbst und von anderen getrennt. Diese Trennung signalisiert auch das Nervensystem im Kontakt: Es reagiert nicht auf die Gegenwart, sondern auf eine Gefahr von früher. Was es braucht, um sich zu lösen, ist Sicherheit im Kontakt.

Vor allem in der Partnerschaft zeigen sich die Folgen solcher Muster früher oder später. Vielleicht erlebst du immer wieder dieselben Konflikte oder gar Trennung. Manchmal wird Nähe und Intimität von vornherein ganz vermieden – das Nervensystem schaltet auf Distanz, um sich zu schützen.

Wo FLOATING ansetzt

Genau hier setzt FLOATING an. Aus dieser Erkenntnis und aus eigener Erfahrung heraus hat Gopal Norbert Klein, Heilpraktiker für Psychotherapie, das FLOATING entwickelt: ein traumasensibel begleiteter Gruppenprozess mit maximal 14 Teilnehmern. Im geschützten Rahmen darf dein Nervensystem im direkten Kontakt eine neue Erfahrung machen – die Erfahrung, dass Nähe jetzt nicht bedrohlich ist. Hier lebt derselbe Kerngedanke wie im Ehrlichen Mitteilen: Es geht darum, mit der Realität in Kontakt zu kommen und zu erkennen, dass sie dich nicht bedroht. Nicht durch Reden über das Problem, sondern durch unmittelbar erlebte Sicherheit im Hier und Jetzt.

Wenn dein Körper diese Sicherheit wirklich spürt – wenn die Neurozeption von Gefahr auf Sicherheit umschaltet – kann sich das System beruhigen und ins ventrale, soziale Erleben zurückfinden. Aus dieser neuen, leibhaftigen Erfahrung kann eine tiefe Erkenntnis wachsen: Ich habe eine Wahl. Das alte Muster ist nicht mehr das Einzige, was möglich ist.

Der neurobiologische Hintergrund: das Social Engagement System

Warum Sicherheit im Kontakt die entscheidende Bedingung ist, erklärt die Polyvagal-Theorie von Stephen Porges. Sie beschreibt das Social Engagement System (SES) – den ventralen Vaguskomplex, ein neuronales System, das Säugetieren ermöglicht, sich sicher genug zu fühlen, um sozial in Kontakt zu gehen. Gesteuert wird es vom myelinisierten ventralen Vagusnerv, der Hirnnerven für Gesichtsausdruck, Stimmmodulation und Hören mit Herz und Lunge verbindet.

Ist dieses System aktiv, dämpft es Stressreaktionen und fördert Vertrauen, Offenheit und sprachliche Flüssigkeit – es unterstützt Erholung und Wachstum. Genau das ist der Zustand, in dem echte Begegnung möglich wird. Deshalb ist das SES zentral für Traumaarbeit und Beziehungscoaching: Es erklärt, wie wahrgenommene Sicherheit Kommunikation und Koregulation überhaupt erst ermöglicht. FLOATING schafft genau diese wahrgenommene Sicherheit – durch Struktur, langsames Tempo, zugewandtes Zuhören und die Begleitung – sodass das Nervensystem aus dem Schutz heraus wieder in Verbindung finden darf.

Wie ein FLOATING abläuft

In einem FLOATING sitzen mehrere Teilnehmer im Kreis; einige haben eine „Sitzung” gebucht. Eine Person schildert, womit sie leidet, wählt dann einen „Projektionspartner” aus der Gruppe und stellt sich diesem im Kreis gegenüber. Unter Begleitung einer traumasensibel erfahrenen Leitung wird der Kontakt zwischen beiden sehr langsam und achtsam aufgebaut: Beide teilen, was gerade in Körper, Gefühlen und Gedanken geschieht. Es geht ausdrücklich um die Bindungsdynamik im Raum – nicht um detaillierte Erzählungen aus der Vergangenheit.

Im FLOATING begegnen wir im Kontakt mit dem Gegenüber Situationen, die uns bewusst machen, dass unsere aus der Kindheit stammenden Beziehungskonzepte uns heute nicht mehr dienlich sind. Im Hier und Jetzt erfahren wir, dass keine reale Gefahr mehr besteht. Wir erleben uns als Erwachsene – mit der Möglichkeit, all das zu kommunizieren, was früher nicht möglich war. Durch den sicheren Rahmen, die klare Struktur, das langsame Tempo, die Gruppenregulation und das ehrliche Mitteilen werden alte Schutz- und Distanzmuster sichtbar und können sich in einer neuen, sicheren Beziehungserfahrung lösen. So wird der Mangel an Bindung, der vielen Leidens eigentliche Wurzel ist, direkt im Kontakt berührt und aktualisiert.

FLOATING und Familienstellen — ähnlich, und doch grundlegend anders

Von der praktischen Vorgehensweise ähnelt FLOATING dem Familienstellen, unterscheidet sich aber in fundamentalen Punkten:

  • Kein wechselndes Thema – bzw. immer dasselbe Thema: Bindung.
  • Kein Externalisieren mit Stellvertretern – es gibt keine Rollenrepräsentanten außerhalb der real Anwesenden.
  • Nur reale Anwesende – gearbeitet wird ausschließlich mit den Menschen, die physisch im Raum sind.
  • Alles wird direkt aufgelöst – im Hier und Jetzt, im realen Kontakt, ohne therapeutische Konstruktionen.
  • Nur Kommunikation, keine Problemlösung – es geht um die Begegnung, nicht um das Bearbeiten eines Anliegens.

FLOATING braucht keinerlei Zugriff auf Lebensdetails wie vergangene Erlebnisse und beschäftigt sich auch nicht mit der Zukunft. Es genügt der gegenwärtige Kontakt – und das, was dein Nervensystem darin neu erfahren darf. Grundlage sind ehrliche Kommunikation, ein Polyvagal-Verständnis des Nervensystems, Achtsamkeit und ein sehr klares Setting für Sicherheit, Grenzen, Wut, Sehnsucht und Bedürfnisse.

Begleitung

Anders als das Ehrliche Mitteilen ist FLOATING ausdrücklich keine Selbsthilfe. Dieser traumasensible Gruppenprozess gehört in die Hände einer darin ausgebildeten Person. Ich begleite dich als zertifizierter Coach mit zweijähriger Ausbildung.

Tickets

Eine FLOATING-Sitzung dauert eine Stunde und findet in der Gruppe statt.

  • Sitzungsticket (mit eigenem Thema): 90 €
  • Teilnehmerticket: 30 €

Aktuelle Termine stehen auf der Seite Veranstaltungen · Buchen.

FLOATING ist traumasensible Begleitung und kein Ersatz für medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Wer akute professionelle Hilfe braucht, findet sie in Psychotherapie oder ärztlicher Behandlung.


Häufige Fragen

Was ist FLOATING? FLOATING ist ein traumasensibel begleiteter Gruppenprozess (max. 14 Personen), entwickelt von Gopal Norbert Klein. In sicherem Rahmen macht dein Nervensystem im direkten Kontakt die neue Erfahrung, dass Nähe im Hier und Jetzt nicht bedrohlich ist – nicht durch Reden über Probleme, sondern durch unmittelbar erlebte Sicherheit.

Wie läuft ein FLOATING ab? Mehrere Teilnehmer sitzen im Kreis. Wer eine Sitzung gebucht hat, schildert kurz das eigene Leiden, wählt einen Projektionspartner aus der Gruppe und stellt sich diesem gegenüber. Unter traumasensibel erfahrener Begleitung wird der Kontakt sehr langsam aufgebaut; beide teilen, was gerade in Körper, Gefühl und Gedanke geschieht. Im Zentrum steht die Bindungsdynamik im Moment, nicht die Lebensgeschichte.

Was ist der Unterschied zwischen FLOATING und Familienstellen? FLOATING ähnelt dem Familienstellen im Vorgehen, unterscheidet sich aber grundlegend: Es gibt nur ein Thema (Bindung), keine Stellvertreter, gearbeitet wird ausschließlich mit physisch Anwesenden, alles wird direkt im Hier und Jetzt aufgelöst, und es geht allein um Kommunikation, nicht um Problemlösung. Vergangenheit und Zukunft spielen keine Rolle.

Ist FLOATING Selbsthilfe wie das Ehrliche Mitteilen? Nein. Anders als das Ehrliche Mitteilen ist FLOATING keine Selbsthilfe und braucht eine ausgebildete Begleitung. Ralf Lorini begleitet FLOATING als zertifizierter Coach mit zweijähriger Ausbildung.

Was hat FLOATING mit dem Nervensystem zu tun? FLOATING setzt am Social Engagement System an, das Stephen Porges in der Polyvagal-Theorie beschreibt: dem ventralen Vaguskomplex, der uns nur dann sozial in Kontakt gehen lässt, wenn wir uns sicher fühlen. Alte Bindungskonzepte halten das Nervensystem in Wachsamkeit oder Rückzug. Im sicheren Rahmen von FLOATING kann die Neurozeption von Gefahr auf Sicherheit umschalten – erst dann werden Offenheit, Vertrauen und echte Kommunikation möglich.

Für wen ist FLOATING? Für Menschen, die in nahen Beziehungen – besonders in der Partnerschaft – immer wieder dieselben Muster erleben: Konflikte, Rückzug, vermiedene Nähe, Einsamkeit trotz Beziehung. FLOATING ist trauma-sensible Begleitung und ersetzt keine Therapie.


Zum Weiterlesen: Gopal Norbert Klein, „Der Vagus-Schlüssel zur Traumaheilung. Wie ‚Ehrliches Mitteilen’ unser Nervensystem reguliert.” Mit einem Vorwort von Gerald Hüther. Gräfe und Unzer, München 2022. · Hintergrund zur Methode: floatinghandbook.com